FRIEDER HOFMANN I POSITIONEN I PUBLIKATIONEN I PROJEKTE

TRANSFORM-Projekte im Wolga-Bezirk

Aus: F. Hofmann "Die Besten in den Osten" - Erinnerungen 2002-2013

Während meiner Tätigkeit als Projektentwickler in Nischni Nowgorod (dem früheren Gorki) arbeitete ich mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zusammen, die im Rahmen des deutschen TRANSFORM-Programms für die Russische Föderation projektbezogene Beraterverträge vergab. TRANSFORM, dessen zehnjähriges Bestehen im Jahr 2004 feierlich im Moskauer President-Hotel begangen wurde, war ursprünglich zur Förderung des russischen Mittelstandes ins Leben gerufen worden. Anläßlich des Jubiläums konnten beide Seiten auf eine stolze Bilanz von über 300 Gemeinschaftsprojekten in den Bereichen Mittelstandsentwicklung, Landwirtschaft, Finanzwirtschaft und Verwaltungsaufbau zurückblicken, die die deutsch-russische Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis spürbar vorangebracht hatten. Oder wie es der damalige Minister für Wirtschaft und Handel der RF German Gref in seinem Grußwort ausdrückte:

Das Programm und seine Projekte im Bereich der KMU-Förderung, Landwirtschaft und Gesetzesberatung wurden zu einem wichtigen Faktor der erfolgreichen Entwicklung der russisch-deutschen Beziehungen.“

Projekte, an denen ich beteiligt war, wie beispielsweise Beratungsleistungen zum Aufbau einer privaten Musterbäckerei in Nischni Nowgorod oder eine Studie zur Herstellung von Heizpellets unter Nutzung regionaler Holzabfälle konnten mit einer Kofinanzierung durch das TRANSFORM-Programm vorangebracht bzw. sogar erst ermöglicht werden. 
Im gegenwärtigen Stadium des wiederbelebten „Kalten Krieges“ sollte man diese Etappe der deutsch-russischen Wirtschaftspartnerschaft in guter Erinnerung behalten, denn heute ist es fast schon in Vergessenheit geraten, daß es vor gerade einmal 20 Jahren mit TRANSFORM  eine deutsch-russische Zusammenarbeit zum beiderseitigen Nutzen und auf gleicher Augenhöhe gegeben hat.

Als die deutsche Seite das TRANSFORM-Programm auslaufen ließ, wurde diese Entscheidung u.a. damit begründet, dass der russische Mittelstand, wie man es hierzulande einschätzte, mittlerweile stark  genug sei, um in Zukunft auf eigenen Beinen stehen zu können. Ein Trugschluß, wie es auch einige meiner Projektpartner einschätzten, denn wie nach der "Wende" vielen ostdeutschen Mittelständlern fehlte auch den kleinen und mittleren russischen Firmen das Eigenkapital bzw. die zur Vergabe eines Bankkredits geforderten Sicherheiten, um ihr Investitionsprojekt mit Erfolg abschließen zu können. 
So auch bei unserem Vorhaben, denn (deutschen wie russischen) Finanzinstituten schien die Bewilligung von "Minidarlehen" in der Regel nicht lukrativ genug. Auf der Suche nach einem Finanzierungspartner wurde uns schließlich die International Financial Corporation (IFC) empfohlen, eine Entwicklungsbank mit Sitz in den USA, die sich als Teil der Weltbankgruppe auf die Förderung privater kleiner und mittlerer Unternehmen spezialisiert hatte. 
Ein 2005 von der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH in Kooperation mit der IFC Moskau ins Leben gerufener Treuhandfonds sollte sächsischen Unternehmern die Finanzierung ihrer Auslandsvorhaben, so auch sächsisch-russischer Wirtschafts- und Beratungsprojekte erleichtern. Weil mir das als brauchbare Idee erschien, meldete ich mich mit meinem Bäckerpartner zu einem Beratungstag der IFC in einem Nischni Nowgoroder Nobelhotel an. Leider brachte uns diese Beratung nicht weiter und auch mein Besuch im IFC-Stabsquartier in Moskau führte zu keinem Ergebnis, so dass wir uns entschlossen, auf die Mitwirkung der IFC zu verzichten.
Als sächsische Ingenieure, die sich auf einen Vertrag mit der IFC eingelassen hatten, während einer Konferenz in Dresden berichteten, wie ihre Leistungen vereinnahmt und mehr schlecht als gerecht bezahlt worden waren, sah ich mich darin bestätigt, die für uns richtige Entscheidung getroffen zu haben. 

Wie es schließlich doch gelang, unser Vorhaben durch das außergewöhnliche, für unser deutsches Verständnis sogar abenteuerlich erscheinende Engagement des russischen Bäckers und seiner Familie und durch die Unterstützung sächsischer Handwerkskollegen zum Erfolg zu führen ist schon eine neue Geschichte. 

10 Jahre "Transform" - Informationsmaterial 2004

Transform-Jubiläumsveranstaltung in Moskau 2004

Dr.-Ing. Architekt Frieder Hofmann 
gpfhofmann@parus-le.de    

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Aktualisierung: Januar 2024 

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