Reisebilder 2012 - 2026
Tokio 2012. Es fällt schwer, die vielen auf den Besucher einstürzenden Eindrücke in Worte zu fassen, denn Tokio ist eigentlich unfassbar: Megapolis (der Großraum Tokio beheimatet ca. 38 Mio. Einwohner), Abbild der über 1000-jährigen Geschichte Japans, administratives, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes, Kaiserliche Residenz, Naturereignis. Denn Tokio ist eine Wasserstadt, die durch mächtige Fluttore vom Pazifik geschützt wird.
Wir besuchen Tokio in seiner schönsten Zeit - zur Kirschblüte im April. Die Blüten sind eine nationale Leidenschaft, die die Menschen in die Parks strömen lässt, um die Kirschblüte zu feiern und zu fotografieren. Aber hier wird achtsam gefeiert: Vor Beginn der Festivitäten werden Planen über den Rasen gebreitet und große Kisten für die Abfälle bereitgestellt.
Singapur 2015. Schweisstropfend durch's Paradies. Am ersten Tag umwandern wir die Marina Bay, bestaunen das berühmte Sand's Hotel und besichtigen die in den europäischen Fachmedien häufig kommentierten Bay Gardens mit ihrem spektakulären Flower Dome. Wir sind beeindruckt von der klinischen Sauberkeit der städtischen Räume und Parks (weil: Verstöße werden hier mit drakonischen Geldstrafen geahndet). Senioren-Ermäßigung beim Eintritt in die Museen ist dagegen eine Selbstverständlichkeit (2016)
Brüssel 2023. Unsere Stadtbesichtigung startet am Atomium, Überbleibsel und Wahrzeichen der Weltausstellung 1958. Jeder kennt Paris und den Eiffelturm, sagt unser Reisebegleiter. Aber keiner kennt Brüssel und das Atomium. Weil: Die Brüsseler sind bescheiden, was ein Grund für die sprichwörtliche Zurückhaltung der Belgier bei offiziellen Anlässen ist.
Andere Sportler singen bei Siegerehrungen ihre Nationalhymnen. Die Belgier, wenn sie gesiegt haben, halten sich zurück, summen patriotisch und werfen patriotische Blicke.
Mit solchem Wissen schlendern wir über die Straßen, besuchen die berühmte Schokoladen-Passage, bestaunen den üppig verzierten und reich vergoldeten Marktplatz und verweilen vor Brüssels „eigentlichem“ Wahrzeichen, dem „Männeken Pis“.
Krakau, die frühere Hauptstadt der polnischen Könige. Im Wawel ist auch der Körper Augusts des Starken begraben (sein Herz befindet sich freilich in Dresden).
Nach einem Rundgang durch die historische Altstadt suchen wir den Weg zum Museum of Contemporary Arts (MOCAK), das man uns als ultimative Location zur Ausstellung aktueller moderner polnischer Kunst (vorwiegend junger Künstler) empfohlen hatte. Und wir werden nicht enttäuscht. In mehreren ehemaligen top-sanierten Fabrikhallen erleben wir eine beeindruckend vielfältige Auswahl von Werken Krakauer Künstler und Designer. Das alles zu einem Senioreneintrittspreis von 6 Zloty p.P.! Obendrauf gibt’s dann einen Kaffee für 8,50 Zloty! Was will man mehr ... (2023)
Höhepunkt unserer Reise durch die Toskana: FLORENZ, die unbestrittene Hauptstadt der Region. Der Weg führt uns durch die Altstadt hin zum Rathausplatz. Hier präsentiert uns Stadtführerin Walentina Michelangelos „David“ und berichtet, dass eine US-amerikanische Lehrerin entlassen wurde, weil sie ihren Schülern ein Bild der berühmten Statue gezeigt und erläutert hatte. Daraufhin hatten sich die Eltern der Kinder beschwert und den Unterricht „pornografisch“ genannt.
In internationalen Medien wurde der Skandal breit diskutiert, u.a. in der FAZ v. 29.04.2023).
In Italien führte die Entlassung der Lehrerin zu einem antiamerikanischen Proteststurm und der Florentiner Stadtrat lud sie spontan zu einem Besuch nach Florenz ein. (2024)
Schon lange wollten wir mal nach Venedig. Heute waren wir endlich da und es ist (fast) alles so wie wir's uns erträumt hatten.
Enge Gassen, Menschenmassen, darunter auch Einheimische mit überwiegend finsteren Mienen. Denn es muss schon ein stolzes und duldsames Volk sein, das hier arbeiten, leben und überleben will und kann. Wir folgen der Stadtführerin, einer älteren, etwas altmodisch aber stilsicher gekleideten Venezianerin, die uns stolz voranschreitet, dabei ungerührt ihren Rundkurs absolviert und ihre Kommentare zur Stadt- und Architekturgeschichte der Lagunenstadt ins Audio-Mikro spricht. Danach sammeln wir uns zur Bootsfahrt durch/über die Lagune. Seit die Kreuzfahrtschiffe draußen bleiben müssen, ist das Wasser in Venedig klar und sauber. (2024)
Während unserer Reise zu den Schlössern an der Loire besuchen wir Cheverny. In diesem kleinen, aber feinen, Mitte des 17. Jahrhundert erbauten Lustschloß findet eben gerade ein "Venezianisches Festival“ statt. So besuchen jede Menge Schaulustiger den Park, die die
prachtvoll kostümierten und maskierten Paare eines Festzuges bestaunen und fotografieren. Nachdem sich die Masken zu einem bunten Bild auf der Freitreppe des Schlösschens aufgestellt und danach zum Flanieren im Park zerstreut haben, erhalten wir Gelegenheit, die Interieurs des Schlösschens zu besichtigen. Die Räume sind relativ klein, thematisch gestaltet und farblich aufeinander abgestimmt – ein wahres Fest barocker Lebenslust! (2024)
Am Ostufer des Gardasees befindet sich die kleine Stadt Malcesine mit ihrer Scaligerburg aus dem 12. Jahrhundert. Auch Goethe war auf seiner Italien-Reise in 1786 in Malcesine, woran ein Denkmal am Fuß der Burg erinnert. Bei seinem Besuch hat er den Monte Baldo, den mit 2.218 m höchsten Berg am Gardasee bestiegen und soll dort von den Carabinieri als Spion festgenommen worden sein. Nur durch die Bürgschaft eines befreundeten Frankfurter Kaufmanns hat man ihn wieder freigelassen, wonach er seine Italienreise fortsetzen konnte. Allerdings war ihm dieser Vorfall so peinlich, dass er ihn in seinen Reisenotizen mit keinem Wort erwähnt hat. (2025)
Wien 2025. Unter der Vielzahl historischer, kultureller, architektonischer und kulinarischer Attraktionen, die die Stadt ihren Besuchern zu bieten hat, ist eine hervorzuheben - der 1847 eröffnete Wiener Zentralfriedhof. Besonders interessant ist die Abteilung der Ehrengräber, denn dort bestattet zu werden, galt und gilt als höchste Auszeichnung, die die Stadt ihren prominentesten Bürgern zueignen kann.
So durchwandern wir fast die gesamte Politik- und Musikgeschichte Österreichs, verweilen u.a. bei Beethoven, Johann Strauss, Mozart, Udo Jürgens und Falco (siehe Foto oben).
Für Fans gibt es einen Souvenir-Shop, in dem man Rucksäcke u. T-Shirts mit der rührenden Aufschrift „Und irgendwann bleib i dann durt ...“ erstehen kann. (2025)
Greifswald 2026. Es ist schön, wieder einmal die "Alte Heimat" zu besuchen. Und es macht uns etwas stolz, die Häuser wiederzusehen, an deren Planung wir vor 50 Jahren mitgewirkt hatten. Was es damals noch nicht gab - der "Affenfelsen" (von Greifswald, nicht Gibraltar). Von diesem Balkon aus geniessen die Greifswalder und ihre Gäste einen schönen Blick über den Ryck auf ihre Stadt. Anschließend nutzen wir die Gelegenheit zu einem Wiedersehen mit Wismar. Eine kleine Sensation entdecken wir im Dachgeschoss des Stadtmuseums - Dokumente zur Geschichte und zum Ende des DDR-Schiffbaus in Wismar. Hier lesen wir: Die Werft ist die Stadt und die Stadt ist die Werft. Deshalb war die "Wende" in Wismar eine besonders schlimme Katastrophe, so wie auch die Vernichtung des Werftarchivs nach der Privatisierung der Werft, weil es kein Interesse an der Bewahrung der eigenen Stadtgeschichte gab.
Lago Maggiore 2026. Die Mailänder mögen es uns verzeihen: Highlight unseres Besuches waren nicht die Galleria Vittorio Emmanuele oder der mit Marmor überladene Dom (da hatten wir in der Toskana schon viel Beeindruckenderes gesehen) sondern die im Castello di Porta Giovia präsentierte "Pieta" Michelangelos ...
Der Raum im Castello, in dem die Skulptur steht, ist still, die Leute sitzen und sehen ein ausdrucksvolles Bildnis, das einige Besucher zu Tränen rührt.
Der Lago Maggiore: Das Besondere des Sees sind (für uns) seine Inseln, besonders die Isola Bella mit ihrem Palast und dem zauberhaften barocken Gartenreich. Ein Traum, weshalb die Insel, wie wir meinen, deshalb Treasure Island heissen müsste.
Während unserer Kroatien-Reise 2026 erlebe ich ein Wiedersehen mit Mostar, das ich vor 30 Jahren (1996) schon einmal im dienstlichen Auftrag besucht hatte. Damals war der erste Jugoslawien-Krieg gerade zu Ende gegangen, die berühmte Alte Brücke (Stari most), die der Stadt ihren Namen gibt, war völlig zerstört und in der Stadt herrschte, wie ich mich erinnere, eine Totenstille. Von 1995 bis 2004 wurde die Brücke mit internationaler Unterstützung neu errichtet. Heutzutage ist es dort laut, es wird gelacht und gesungen. Touristen drängen sich an den vielen Souvenirständen. Vom Minarett einer Moschee predigt (lautsprecherverstärkt) ein Muezzin.
Nur wer die schmerzliche Geschichte kennt und bewusst nach Erinnerungen sucht, findet noch einige Zeitzeichen, wie das Bild eines Jungen an einem Giebel - einer von vielen, die diesen Bruderkrieg mit ihrem Leben bezahlten.